Viktors Kopf – Filmpremiere am 13.3.2016 im Kino Arsenal

6. März 2016

Ein Dokumentarfilm von Regisseurin Carmen Eckhardt Sonntag 13.3.2016 11:30 Uhr Kino„Arsenal“ Hintere Grabenstraße anschließend Gespräch mit der Regisseurin   „Viktors Kopf“ erzählt schonungslos, persönlich und emotional eine Zeitreise zwischen NS-Vergangenheit und Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit, in der die Grenzen sich in manchen Momenten zu verwischen scheinen und der Mut der Widerstandskämpfer heute noch für Verwirrung und Abwehr sorgt. Es geht um den lebensbedrohlichen Mut von damals und den Mut, den es heute braucht, ein Tabu zu brechen und die Verbindung zur eigenen Geschichte zu suchen. Auf der Suche nach den Spuren ihres Urgroßvaters dokumentiert Carmen Eckardt auch die verhängnisvolle Rolle der Tübinger Anatomie in der Zeit des Nationalsozialismus und geht auf die Geschichte des Gräberfeld X auf dem Tübinger Stadtfriedhof ein.   Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten(VVN-BdA) Tübingen-Mössingen, Verein Lern und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus Tübingen, DGB-Arbeitskreis Tübingen, Kino Arsenal, Rosa-Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg, gefördert durch den Fachbereich Kultur der Stadt Tübingen.

Ein deutsches KZ in Frankreich

16. November 2015

Buchvorstellung und Diskussion mit der Herausgeberin Florence Hervé

Montag, 23.November 2015 20 Uhr

im Club Voltaire, Haaggasse 26b

Weitgehend unbekannt ist, dass es auch im von der Wehrmacht besetzten Frankreich ein deutsches Konzentrationslager gab: Das im Elsass gelegene Natzweiler-Struthof, ein Ort grausamer Verbrechen, der zugleich Führungszentrum für Nebenlager und Außenkommandos war – einige auch in der Tübinger Region. Zehntausende rassisch und politisch verfolgte Nazigegner und Widerstandskämpfer aus vielen Ländern Europas wurden in diesem Lagerkomplex gequält und durch Zwangsarbeit brutal ausgebeutet, 22 000 von ihnen wurden ermordet. Das durchgängig zweisprachige Buch (deutsch/französisch) stellt das Lagersystem dar und erklärt dessen Besonderheiten. Außerdem enthält es zahlreiche eindrucksvolle Fotografien von Martin Graf – neben Augenzeugenberichten von Überlebenden sowie künstlerischen Zeichnungen und literarischen Texten, so etwa von Tomi Ungerer oder Bernhard Schlink. Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten VVN-BdA, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Club Voltaire Tübingen

 

20151123_Natzweiler-Struthof Buchvorstellung

29. August 2015 – Kundgebung zum Antikriegstag: Krieg beginnt hier – bekämpfen wir ihn hier!

1. September 2015

70 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg: Für eine neue Entspannungspolitik, nein zur Vorbereitung auf den Krieg!

29. August 2015, 13:00 Uhr, Kundgebung auf dem Tübinger Holzmarkt
Redebeitrag für die VVN-BdA, KV Tübingen-Mössingen

Liebe Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner,
liebe Freundinnen und Freunde,

wir erinnern an den Überfall Nazi-Deutschlands am 1. September 1939 auf Polen, den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Wir erinnern an verbrecherischen deutschen Militarismus und deutsches Großmachtstreben, die bereits zweimal nie dagewesenes Leid und Zerstörung über die Welt gebracht haben. Wir gedenken der Opfer des deutschen Imperialismus, ohne den auch die Shoah nicht möglich gewesen wäre. Denn Rassismus – bis hin zum Antisemitismus – ist diesem eingeschrieben.

Einen dritten deutschen »Griff nach der Weltmacht« darf es nicht geben!

Seit bald zwei Jahren führt der Regimewechsel in der Ukraine zu Gewalt, Zerstörung, Mord und Krieg.

Liebe Freundinnen und Freunde,
wenn wir sagen: »Krieg beginnt hier – bekämpfen wir ihn hier!«, dann heißt dies auf die Ukraine bezogen, daß die deutsche Bundesregierung wesentlich Mitschuld trägt an der katastrophalen Lage und dem Krieg, der in der Ukraine geführt wird. Ohne deutsche Unterstützung hätte es keinen Putsch in Kiew gegeben. Die Folgen waren die Abspaltung der Krim und der Krieg Kiews gegen die eigene Bevölkerung im Donbass.

Gerade mit Hilfe extrem nationalistischer, paramilitärischer und faschistischer Schlägertruppen wurde eine neue Führung an die Macht geputscht. Ein Regime, dessen Zweck sich in neoliberalen Kürzungen, Privatisierungen und Krieg erschöpft. Nein, Premier Arsenij Jazenjuk, der Mann von Victoria Nulands Gnaden, bringt es immerhin auf tägliche antirussische Ausfälle. Widerlicher Nationalismus und kleinlich-beschränkte Russophobie sind unter seiner Führung zum Markenzeichen der Kiewer Politik geworden.

Sind das etwa die ›europäischen Werte‹, für die der ›Euromajdan‹ vom Westen unterstützt wurde?

Hinzu kommt: Nach wie vor ungeklärt sind die sogenannten Schüsse vom Majdan, das Massaker von Odessa, der Abschuß von MH17 – obwohl doch Kiew das allergrößte Interesse an der Klärung dieser Katastrophen haben müßte.

Die Opposition wird verfolgt, linke Parteien sind von der »Dekommunisierung« bedroht: all das sind typische Merkmale von Diktaturen.

Die Ukraine steht vor der Staatspleite, doch IWF und Gläubiger helfen dem kriegführenden Regime mit einem Schuldenschnitt, ganz im Unterschied zu Griechenland.

Die Oligarchenwirtschaft bleibt unangetastet. Kolomojskij, einer von ihnen, Finanzier diverser kleiner Privatarmeen, soll sogar einen Teil eines IWF-Kredits veruntreut und sich in die USA abgesetzt haben.

Der Krieg im Donbass führte bisher zu mindestens 7.000 Toten und zwei Millionen Flüchtlingen (wovon etwa eine Million in das geschmähte Rußland floh).

Die Friedensbemühungen von Minsk drohen zu scheitern. Die Kriegspartei – nicht nur in Kiew – verfügt über starken Rückhalt.

Umso mehr kommt es auf uns an: Die Friedens- und Antikriegsbewegung hat im vergangenen Jahr, trotz Zersplitterung, gewirkt. Und die Antikriegsbewegung wirkt weiter!

Politik und Medien hatten und haben keinen Erfolg, obwohl sie das uralte Feindbild Rußland wieder aufpolieren wollen. Alle Meinungsumfragen zeigen, daß konstant eine übergroße Mehrheit der Gesellschaft in Deutschland sich keine Spannungen mit Rußland aufschwatzen lassen will, daß diese Mehrheit keine Konfrontation und erst recht keinen Krieg mit Rußland will!

Seit über einem Jahr gibt es eine ganze Serie von Militär-Manövern der NATO im (östlichen) Europa, die gegen Rußland gerichtet sind, in diesen Tagen sogar das größte Luftlande-Manöver der NATO seit Ende des Kalten Krieges.

All dies zeigt: die Kriegsgefahr in Europa ist noch immer sehr groß.

Unsere Forderungen von 2014 sind noch aktuell, es kommen aber neue hinzu. Wir sagen NEIN –
∙ zum Einsatz von Militär und Privatarmeen
∙ zu Kriegshetze und Kriegsvorbereitung
∙ zur Stationierung ausländischer Truppen und Massenvernichtungswaffen in der Ukraine
∙ zur Konfrontation mit Rußland
∙ Nein zu wirtschaftlichen und politischen Sanktionen
∙ zur NATO- und EU-Osterweiterung
∙ Nein zur Verharmlosung und Unterstützung von Faschisten

Wir fordern daher:
∙ keine Manöver der NATO oder Bundeswehr in Osteuropa
∙ keine Rüstungsexporte in die Region
∙ Schluß mit jeglicher Eskalationspolitik
∙ Wiederherstellung des neutralen/blockfreien Status der Ukraine
∙ Wiederherstellung normaler Beziehungen mit Rußland
∙ keine Zusammenarbeit mit Faschisten

Denn: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!
Christian Harde

Kundgebung zum Antikriegstag 2015

23. August 2015

Zum Antikriegstag wollen wir auch in Tübingen auf die akute und weltweit drohende Kriegsgefahr hinweisen. Wir laden alle um den Frieden Besorgten ein zur Kundgebung:

Krieg beginnt hier – bekämpfen wir ihn hier!

Kundgebung am Samstag, 29. August 2015
Tübingen, Holzmarkt, 13 Uhr

Redebeiträge u. a. zum Krieg in der Ukraine, Syrien, in den kurdischen Gebieten, NATO-Mobilmachung, Rüstungsexporten, Solidarität mit Flüchtlingen und Kurden.

Infostände und Musik

Zur Kundgebung rufen auf:
Tübinger Friedensplenum und Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), DKP, Frauenverband Courage, Gesellschaft Kultur des Friedens, Informationsstelle Militarisierung (IMI), Kurdischer Verein Tübingen-Reutlingen, DIE LINKE, Mahnwache für den Frieden, MLPD, Solidarität International, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Tübinger Linke (TÜL), Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA).

Aufruf der Initiative „Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten“

3. Juli 2015

Liebe Mitbürger_innen und Antifaschist_innen,

die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) versucht seit einiger Zeit die Gaststätte „Waldhorn“ in Meßstetten-Bueloch zu kaufen, um dort eine Landesgeschäftsstelle einzurichten. Konzerte, Infoveranstaltungen und Schulungen von und für Neonazis könnten dort stattfinden.
Durch eine Landesgeschäftsstelle fänden bisher unorganisierte RassistInnen eine Struktur, die NPD würde gestärkt. Zusätzlich stelle dies ein unkalkulierbares Risiko für die über 1500 Geflüchteten in der Landeserstaufnahmestelle vor Ort dar.

Dies gilt es zu verhindern!

Die menschenverachtende und faschistische Ideologie der NPD lehnen wir grundsätzlich ab, wir stehen für Akzeptanz und kulturelle Vielfalt.

Deshalb rufen wir am Samstag, den 04.07.2015, um 15 Uhr zu einer antifaschistischen Kundgebung auf dem Marktplatz in Meßstetten auf.

Keine Basis der NPD – in Meßstetten und anderswo!

Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!

Für eine friedliche und solidarische Gesellschaft!

Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten

„Jetzt Farbe bekennen – Hilferuf aus Meßstetten ernst nehmen“

3. Juli 2015

Presseerklärung
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist/inn/en VVN-BdA

In Meßstetten auf der Schwäbischen Alb befindet sich die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Nur wenige hundert Meter von dort entfernt ist das „Waldhorn“, eine zur Zeit geschlossene Gaststätte mit einem Gartengelände und Hotelkapazitäten. Sie steht zum Verkauf und ein bekannter Strohmann der NPD hat einen hohen Preis dafür geboten. Ohne Machenschaften zum Hochtreiben des Kaufpreises völlig auszuschließen, sieht der SPD-Ortsverein Meßstetten „eine reale Gefahr, dass es der NPD ernst damit ist, besagte Immobilie in Meßstetten zu erwerben“. Dies hat der SPD-Ortsverein in einem Schreiben vom 03.07.2015 dem Ministerium für Integration, dem Innenministerium und dem Justizministerium Baden-Württemberg mitgeteilt und sie zum Handeln aufgefordert, „um einen Erwerb der Immobilie durch Rechtsradikale zu verhindern“. Ausführlich wird dies in dem Schreiben begründet.

„Wir erwarten, dass dieser Hilferuf ernst genommen wird, bevor mit einem Immobilienkauf vollendete Tatsachen geschaffen sind. Wir wollen keine Anlaufstelle, kein Schulungszentrum und keine Geschäftstelle der Neonazis in Baden-Württemberg – weder in Meßstetten noch in Stuttgart noch anderswo“, erklärte Lothar Letsche, Mitglied des Geschäftsführenden Landesvorstands der VVN-BdA „Wir teilen die Besorgnisse der Meßstetter Sozialdemokraten und aller anderen Antifaschistinnen und Antifaschisten. Ein Stützpunkt der Neonazis gerade an diesem Ort wäre nicht nur für die Flüchtlinge gefährlich. Es wäre eine Stärkung der jetzt schon bedrohlichen regionalen Nazistrukturen in der Region, mit Auswirkungen auf das gesamte Bundesland.“

Darum bringe seine 1947 von Überlebenden der Naziverfolgung gegründete Organisation sich in das Bündnis „Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten“ ein und beteilige sich an der Kundgebung am 4. Juli um 15 Uhr auf dem Rathausplatz in Meßstetten. „Wir wollen, dass die Kundgebung der Auftakt zu einem Schulterschluss wird zwischen allen, die in Meßstetten selbst, im Zollernalbkreis und auf Landesebene dieses Anliegen teilen.“

Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten

Presseerklärung der VVN-BdA und Schreiben der SPD Meßstetten als PDF

Wohin wir gehen. Geschichte einer Fahnenflucht

29. Juni 2015

Im Frühjahr 1945 wurden im Wald hinter der ehemaligen Hindenburgkaserne mehrere Deserteure erschossen. Seit 2008 erinnert ein Platz im Französischen Viertel an ihr Schicksal, der »Platz des unbekannten Deserteurs«. 70 Jahre danach wird nun einer, der auch NEIN sagte zum Krieg, über seine Desertion berichten:

Freitag, 10. Juli 2015, 20 Uhr,
Gemeindehaus der Eberhardskirche,
Eugenstraße 26, Tübingen

Christoph Scheytt liest aus den Erinnerungen an seine Desertion im Frühjahr 1945. Mit anschließender Diskussion.

Deutschland im letzten Kriegsjahr. Christoph Scheytt und Walter Rieg sind 16 Jahre alt, als sie gemeinsam mit anderen Hitlerjungen als »Panzerjagdkommando« für den längst verlorenen Krieg der »Nationalsozialisten« geopfert werden sollen. Gemeinsam entschließen sie sich zur Flucht. Getrieben von der Sorge um Familien daheim, dem festen Willen zu überleben, in der Tasche eine Ausgabe von Novalis, nimmt eine abenteuerliche Odyssee durch das untergehende »Dritte Reich« ihren Anfang …

Christoph Scheytt, Jahrgang 1928, Pfarrer im Ruhestand,
veröffentlichte 2013 die Erinnerungen an seine Desertion
1945. Jetzt stellt er sie in Tübingen vor.

Es laden ein:

Tübinger Friedensplenum / Antikriegsbündnis

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Tübingen-Mössingen

Evangelische Eberhardskirche Tübingen

Gedenkstättenfahrt zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof

12. Juni 2015

Exkursion
Mit Arno Huth, Hans-Peter Goergens
Samstag, 25.07.2015 | 08:00 Uhr bis 21:00 Uhr

Eine Fahrt von Tübingen, über Stuttgart, das KZ-Außenlager Vaihingen/Enz und Karlsruhe zum ehemals einzigen faschistischen KZ auf französischem Boden.

ABLAUF
Am 25. Juli führt uns eine Tagesfahrt mit dem Bus (von Tübingen und Stuttgart), erst zum ehemaligen Außenlager von Natzweiler, dem «KZ Vaihingen an der Enz». Ab August 1944 wurden dort die im Lager untergebrachten über 2.000 jüdischen Häftlinge aus Radom/Polen neben rund 800 Zwangsarbeitern beim Bau einer unterirdischen Fabrik für Jagdflugzeuge eingesetzt. Weiter geht die Fahrt über Karlsruhe zum ehemaligen Konzentrationslager (KL) «Natzweiler-Struthof».

Begleitet wird die Fahrt von Arno Huth, einem Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neckar-Elz, und Autor der Forschungsarbeit «Das doppelte Ende des KL Natzweiler auf beiden Seiten des Rheins», und dem Gewerkschafter Hans-Peter Goergens (Offenburg), der uns durch das KZ in Frankreich führt.

HINTERGRUND
Die Befreiung vom Faschismus jährt sich zum 70ten Mal. Am 8. Mai 1945 endlich streckte die dt. Wehrmacht die Waffen und kapitulierte bedingungslos. Das von den Nazis errichtete KL «Natzweiler-Struthof» wurde von diesen Ende November 1944 aufgegeben. 22.000 Menschen hatten dort ihr Leben gelassen. Sie starben an den Folgen der in der Gefangenschaft erlittenen Krankheiten, an Kälte und Mangelernährung oder wurden ermordet.

Das Konzentrationslager war im April 1941 vom Nazi-Regime im besetzten französischen Elsass in 800 Metern Höhe auf einem Gipfel der Vogesen errichtet worden. Die Gegend war ursprünglich als Ski- und Naherholungsgebiet bekannt (der «Struthof»). Das Hauptlager ist das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden. Es diente vor allem als Arbeitslager für die Kriegsindustrie. Dort wurden auch medizinische Experimente an Gefangenen durch Nazi-Professoren der Reichs-Universität Straßburg durchgeführt. Ursprünglich wurde das Lager für 1500 Häftlinge gebaut, jedoch waren im September 1944 zwischen 7. 000 – 8.000 Gefangene untergebracht. Das bedeutete, dass in eine Baracke von 17 Metern Breite und 44 Metern Länge 650-750 Menschen gepfercht wurden.

Von den insgesamt etwa 52.000 Gefangenen (1941-45) aus ganz Europa kamen etwa 35.000 direkt in die fast 70 Nebenlager (z.B. Vaihingen/Enz, Leonberg oder Neckarelz) auf beiden Seiten des Rheins; sie haben das Hauptlager nie gesehen.

BUS ZUSTIEGSMÖGLICHKEITEN
An vier Orten kann zur Gedänkstettenfahrt zugestiegen werden. Die Fahrt beginnt morgens in Tübingen und kommt dort auch wieder am späteren Abend an.

Stationen

08:00 Tübingen Touristikbusparkspur (zwischen Obf u. AOK)
08:45 Stuttgart-Vaihingen, Bahnhof
09:30 KZ-Lager Gedenkstätte Vaihingen/Enz (Nähe Bahnhof)
11:30 Karlsruhe, Bahnhof (hinter dem Bhf. – Südausgang)

Da man auf dem Gelände des KZ-Natzweiler Struthof keine Speisen zu sich nehmen kann, bitten wir Sie, sich selbst mit einem Vesper für den Tag zu versorgen.

ANMELDUNG
Die Teilnehmer*innenzahl für die Exkursion ist begrenzt. Wir bitten um Anmeldung bis spätestens 06. Juli 2015 an: bawue@rosalux.de,
Tel.: 0711-99797090.

Nach erfolgter Anmeldung erhalten Sie eine Anmeldebestätigung mit Hinweisen zur Entrichtung der Teilnahmegebühr: Sie beträgt regulär 20 €, ermäßigt 10 € (Rentern*innen, Studierende, Geringverdienende, Erwerbslose), Solidaritätsbeitrag 30 €.

Bewirtung ist nicht in der Gebühr enthalten.

Wir bitten Sie, Getränke und Verpflegung mitzubringen. Eine längere Mittagspause wird aus zeitlichen Gründen nicht möglich sein.

Wichtig! Wettertaugliche Kleidung, feste Schuhe u. Kopfbedeckung, das Lager ist auf einer großen Freifläche ohne Schatten.

Kontakt

RLS-Regionalbüro Baden-Württemberg
Ludwigstr. 73a
70176 Stuttgart

Telefon: 0711 99797090
Fax: 0711 99797091
E-Mail: bawue@rosalux.de

Eine Veranstaltung von: Die AnStifter, Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg und VVN-BdA Tübingen-Mössingen.

Der Aufstieg der AfD: Neokonservative Mobilmachung in Deutschland

12. Juni 2015

Diskussion / Vortrag
Mit Sebastian Friedrich
Freitag, 26.06.2015 | 19:00 Uhr

Club Voltaire, Tübingen
Haaggasse 26b
72070 Tübingen

Die AfD ist Teil eines Phänomens, das über die Umwälzungen im Parteienspektrum hinausweist. Als rechte Sammlungspartei ist sie nicht nur parlamentarischer Arm für rechte Mobilisierungen, die sich gegen »Islamisierung«, Flüchtlingsheime und sexuelle Vielfalt im Schulunterricht auf die Straße gehen. Die Partei ist auch parlamentarische Vertretung des reaktionären Teils der Mitteklasse, die sich nicht mehr repräsentiert sieht und vor lauter Besitzstandsängsten nicht mehr schlafen kann. Zudem hat die AfD das Potenzial, die Fraktion derjenigen Unternehmen zu vertreten, die auf regionale und lokale Absatzmärkte orientiert sind. Mit AfD, Demo für alle, Pegida, Junge Freiheit und einer radikalisierten Mittelklasse droht sich ein rechtes Projekt zu etablieren.

Sebastian Friedrich ist Redakteur von kritisch-lesen.de und analyse&kritik. Er ist Autor des aktuell erschienenen Buches »Der Aufstieg der AfD: Neokonservative Mobilmachung in Deutschland« (bertz+fischer 2015).

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg.

Ansprache am 8. Mai 2015 zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung in Tübingen

9. Mai 2015

gehalten von Lothar Letsche für die VVN-BdA auf dem Tübinger Holzmarkt um 17 Uhr

In Tübingen war der 2. Weltkrieg schon am 19. April 1945 zu Ende. Da kam die französische Armee. Die Stadt hatte den 2. Weltkrieg fast unzerstört überstanden.

In jenen letzten Apriltagen 1945 mussten die Gefangenen des Zuchthauses in Ludwigsburg im Hof antreten. Unter ihnen viele politische Häftlinge. Nach einem Fußmarsch hatten sie Güterwagen zu besteigen, die sie in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich bringen sollten. In Donauwörth kam der Zug zum Stehen. Die Eisenbahnbrücke war am 19. April von alliierten Tieffliegern zerstört worden. Die Häftlinge wurden in das überfüllte Zuchthaus Kaisheim gebracht. Das wurde von der anrückenden amerikanischen Armee zunächst mit einer SS-Kaserne verwechselt und beschossen. Die Wachmannschaft türmte. Nach Einnahme des Ortes und des Gefängnisses wurden die politischen Häftlinge nach und nach von der US-Armee entlassen.

Das war die Geschichte der Befreiung meines Vaters Curt Letsche. Er hat sie in Romanen geschildert. Ich bin also wortwörtlich ein Kind der Befreiung.

Aber wir alle als heute Lebende verdanken die Grundlagen eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Er sollte auch in Deutschland ein offizieller Feiertag sein.

Es schmälert niemandes Beitrag im Kampf um diese Befreiung, wenn ich den der Sowjetunion hervorhebe. Sie verlor 27 Millionen Menschen. Auch heute heißt eine U-Bahn-Station mitten in Paris, „Stalingrad“. Dort wurde der Kriegsmaschine der deutschen Faschisten das Genick gebrochen. Die Franzosen wissen sehr gut, eine zweite Front, die ab dem 6. Juni 1944 ihr Land befreite, hätte es nicht gegeben, wenn sich die Rote Armee nicht schon auf die deutsche Grenze zu bewegt hätte.

Das muss man heute ins Gedächtnis rufen, denn Geschichtsklitterungen haben Konjunktur.

Hitlers Außenpolitik und Hilfstruppen hatten sich Österreich einverleibt und mit dem „Münchner Abkommen“ vom 30.09.1938 die Tschechoslowakei zerstückelt und dann ihre staatliche Existenz ausgelöscht. Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 konnte niemand verwundern. Die Beistandszusagen der Westmächte nützten den Polen nichts. Erst 1940 folgten ihren Kriegserklärungen tatsächliche Kriegshandlungen.

Hätte das verhindert werden können? Dazu Winston Churchill, britischer Premier von 1940 bis 1945. Ein „Bündnis von England, Frankreich und Russland hätte Deutschland im Jahr 1939 mit größter Beunruhigung erfüllt, und niemand vermag zu beweisen, dass sich der Krieg nicht sogar damals hätte verhüten lassen. …“ Entsprechende Initiativen der Sowjetunion gab es, bestätigt Churchill, und schreibt in seinen Memoiren weiter: „Wenn Chamberlain zum Beispiel bei Empfang des russischen Angebots geantwortet hätte: Ja, wir drei wollen uns zusammentun und Hitler das Genick brechen, oder mit anderem Worten dieses Inhalts, so hätte das [britische] Parlament zugestimmt, Stalin wäre zufrieden gewesen, und die Geschichte hätte vielleicht einen anderen Lauf genommen. Wenigstens hätte sie keinen schlimmeren nehmen können. Stattdessen folgte langes Schweigen, während halbe Maßnahmen und wohlabgewogene Kompromisse vorbereitet wurden.“

So lief das. Erst in letzter Minute wurde von der sowjetischen Führung die Notbremse gezogen und am 23. August 1939 ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffsvertrag unterzeichnet, den die Nazis vorgeschlagen hatten. Wenn das heute von manchen als eine Art Komplott zur Vorbereitung des 2. Weltkriegs hingestellt wird, stimmt es einfach nicht.

Nichts schafft die Tatsache aus der Welt, dass dieser verheerendste aller bisherigen Kriege von deutschem Boden ausging.

Im Grundgesetz gibt es, bis heute gültig, den Artikel 139: „Die zur ‚Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus‘ erlassenen Rechtsvorschriften werden von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt.“ Sie gelten also weiter.

Uns vom „Nazismus und Militarismus“ zu befreien – immer in einem Atemzug genannt – das war das Ziel der Befreier! Schon im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 nachzulesen.

Eine Kommission der amerikanischen Militärregierung hielt 1947 fest:
„Die Deutsche Bank benutzte ihre gewaltige Macht, um bei der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet mitzuwirken“.
Und da steht auch: „Es wird empfohlen, dass 1. die Deutsche Bank liquidiert wird; 2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden; 3. die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.“

Also, wenn beispielsweise Griechenland – nicht erst heute – die Frage der von den Nazis erpressten Zwangsanleihe und überhaupt von Reparationen für die Nazi-Besatzung endlich anständig geregelt bekommen will, sollen sie nicht so arrogant tun, als ginge das unsere heutige Regierung und die heutigen Banken nichts an!

Im sogenannten „2 + 4-Vertrag“ von 1990 wird auch bekräftigt, dass „von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.“

Wie oft ist seitdem dagegen verstoßen worden! Brandgefährlich ist die Situation in der Ukraine, die in EU- und NATO-Strategien einbezogen wird. Die Bundesregierung steht in der historischen Verantwortung, eine neue Entspannungspolitik mit Russland auf den Weg zu bringen, in der die Sicherheitsinteressen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.

Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera dürfen nicht zu verdienten Freiheitshelden umgelogen werden. Faschisten in der Regierung und militärischen Strukturen der Ukraine können keine Bündnispartner sein.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Gruppierungen wie die NPD gehören aufgelöst!

Der „NSU“-Untersuchungsausschuss des Landtags muss die Verstrickungen zwischen mordenden und Hassparolen verbreitenden Nazistrukturen, Polizeikreisen und Geheimdiensten konsequent aufarbeiten.

Und das Feindbild muss stimmen!

Wenn Antifaschistinnen und Antifaschisten und kapitalismuskritische junge Menschen und ihre Entschlossenheit, Nazis nie mehr die Straße zu überlassen, mit diesen auf eine Stufe gestellt werden, dann hat man das Problem nicht begriffen!

Auch wenn Nazis sich als Initiativen gegen Flüchtlingsunterkünfte oder „Islamismus“ tarnen, ist ihr Ziel doch immer das gleiche.

Zum Schluss noch eine aktuelle Anmerkung.

Tübingen besaß bis vor vier Wochen einen intakten, als geschütztes Denkmal ausgewiesenen authentischen Ort der Naziverfolgung – den ehemaligen Güterbahnhof, wo im 2. Weltkrieg sowjetische Zwangsarbeiter schuften mussten. Die Firma Aurelis hat mit Zustimmung der Denkmalschutzbehörden mit dem teilweisen Abriss begonnen. Wir haben dagegen protestiert.

Die offene Ruine, jetzt in städtischem Besitz, darf nicht verkommen! Für eine Nutzung als Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus gibt es bisher keinerlei bindende Festlegung. Das wäre aber das Mindeste, was jetzt von Seiten der Stadt kommen müsste! Mit einem klaren Zeitplan, wann das Restgebäude dafür hergerichtet wird.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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