Aufruf der Initiative „Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten“

3. Juli 2015

Liebe Mitbürger_innen und Antifaschist_innen,

die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) versucht seit einiger Zeit die Gaststätte „Waldhorn“ in Meßstetten-Bueloch zu kaufen, um dort eine Landesgeschäftsstelle einzurichten. Konzerte, Infoveranstaltungen und Schulungen von und für Neonazis könnten dort stattfinden.
Durch eine Landesgeschäftsstelle fänden bisher unorganisierte RassistInnen eine Struktur, die NPD würde gestärkt. Zusätzlich stelle dies ein unkalkulierbares Risiko für die über 1500 Geflüchteten in der Landeserstaufnahmestelle vor Ort dar.

Dies gilt es zu verhindern!

Die menschenverachtende und faschistische Ideologie der NPD lehnen wir grundsätzlich ab, wir stehen für Akzeptanz und kulturelle Vielfalt.

Deshalb rufen wir am Samstag, den 04.07.2015, um 15 Uhr zu einer antifaschistischen Kundgebung auf dem Marktplatz in Meßstetten auf.

Keine Basis der NPD – in Meßstetten und anderswo!

Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!

Für eine friedliche und solidarische Gesellschaft!

Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten

„Jetzt Farbe bekennen – Hilferuf aus Meßstetten ernst nehmen“

3. Juli 2015

Presseerklärung
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist/inn/en VVN-BdA

In Meßstetten auf der Schwäbischen Alb befindet sich die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Nur wenige hundert Meter von dort entfernt ist das „Waldhorn“, eine zur Zeit geschlossene Gaststätte mit einem Gartengelände und Hotelkapazitäten. Sie steht zum Verkauf und ein bekannter Strohmann der NPD hat einen hohen Preis dafür geboten. Ohne Machenschaften zum Hochtreiben des Kaufpreises völlig auszuschließen, sieht der SPD-Ortsverein Meßstetten „eine reale Gefahr, dass es der NPD ernst damit ist, besagte Immobilie in Meßstetten zu erwerben“. Dies hat der SPD-Ortsverein in einem Schreiben vom 03.07.2015 dem Ministerium für Integration, dem Innenministerium und dem Justizministerium Baden-Württemberg mitgeteilt und sie zum Handeln aufgefordert, „um einen Erwerb der Immobilie durch Rechtsradikale zu verhindern“. Ausführlich wird dies in dem Schreiben begründet.

„Wir erwarten, dass dieser Hilferuf ernst genommen wird, bevor mit einem Immobilienkauf vollendete Tatsachen geschaffen sind. Wir wollen keine Anlaufstelle, kein Schulungszentrum und keine Geschäftstelle der Neonazis in Baden-Württemberg – weder in Meßstetten noch in Stuttgart noch anderswo“, erklärte Lothar Letsche, Mitglied des Geschäftsführenden Landesvorstands der VVN-BdA „Wir teilen die Besorgnisse der Meßstetter Sozialdemokraten und aller anderen Antifaschistinnen und Antifaschisten. Ein Stützpunkt der Neonazis gerade an diesem Ort wäre nicht nur für die Flüchtlinge gefährlich. Es wäre eine Stärkung der jetzt schon bedrohlichen regionalen Nazistrukturen in der Region, mit Auswirkungen auf das gesamte Bundesland.“

Darum bringe seine 1947 von Überlebenden der Naziverfolgung gegründete Organisation sich in das Bündnis „Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten“ ein und beteilige sich an der Kundgebung am 4. Juli um 15 Uhr auf dem Rathausplatz in Meßstetten. „Wir wollen, dass die Kundgebung der Auftakt zu einem Schulterschluss wird zwischen allen, die in Meßstetten selbst, im Zollernalbkreis und auf Landesebene dieses Anliegen teilen.“

Keine Basis der NPD – Kampagne für Vielfalt und Toleranz in Meßstetten

Presseerklärung der VVN-BdA und Schreiben der SPD Meßstetten als PDF

Wohin wir gehen. Geschichte einer Fahnenflucht

29. Juni 2015

Im Frühjahr 1945 wurden im Wald hinter der ehemaligen Hindenburgkaserne mehrere Deserteure erschossen. Seit 2008 erinnert ein Platz im Französischen Viertel an ihr Schicksal, der »Platz des unbekannten Deserteurs«. 70 Jahre danach wird nun einer, der auch NEIN sagte zum Krieg, über seine Desertion berichten:

Freitag, 10. Juli 2015, 20 Uhr,
Gemeindehaus der Eberhardskirche,
Eugenstraße 26, Tübingen

Christoph Scheytt liest aus den Erinnerungen an seine Desertion im Frühjahr 1945. Mit anschließender Diskussion.

Deutschland im letzten Kriegsjahr. Christoph Scheytt und Walter Rieg sind 16 Jahre alt, als sie gemeinsam mit anderen Hitlerjungen als »Panzerjagdkommando« für den längst verlorenen Krieg der »Nationalsozialisten« geopfert werden sollen. Gemeinsam entschließen sie sich zur Flucht. Getrieben von der Sorge um Familien daheim, dem festen Willen zu überleben, in der Tasche eine Ausgabe von Novalis, nimmt eine abenteuerliche Odyssee durch das untergehende »Dritte Reich« ihren Anfang …

Christoph Scheytt, Jahrgang 1928, Pfarrer im Ruhestand,
veröffentlichte 2013 die Erinnerungen an seine Desertion
1945. Jetzt stellt er sie in Tübingen vor.

Es laden ein:

Tübinger Friedensplenum / Antikriegsbündnis

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Tübingen-Mössingen

Evangelische Eberhardskirche Tübingen

Gedenkstättenfahrt zum ehemaligen KZ Natzweiler-Struthof

12. Juni 2015

Exkursion
Mit Arno Huth, Hans-Peter Goergens
Samstag, 25.07.2015 | 08:00 Uhr bis 21:00 Uhr

Eine Fahrt von Tübingen, über Stuttgart, das KZ-Außenlager Vaihingen/Enz und Karlsruhe zum ehemals einzigen faschistischen KZ auf französischem Boden.

ABLAUF
Am 25. Juli führt uns eine Tagesfahrt mit dem Bus (von Tübingen und Stuttgart), erst zum ehemaligen Außenlager von Natzweiler, dem «KZ Vaihingen an der Enz». Ab August 1944 wurden dort die im Lager untergebrachten über 2.000 jüdischen Häftlinge aus Radom/Polen neben rund 800 Zwangsarbeitern beim Bau einer unterirdischen Fabrik für Jagdflugzeuge eingesetzt. Weiter geht die Fahrt über Karlsruhe zum ehemaligen Konzentrationslager (KL) «Natzweiler-Struthof».

Begleitet wird die Fahrt von Arno Huth, einem Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neckar-Elz, und Autor der Forschungsarbeit «Das doppelte Ende des KL Natzweiler auf beiden Seiten des Rheins», und dem Gewerkschafter Hans-Peter Goergens (Offenburg), der uns durch das KZ in Frankreich führt.

HINTERGRUND
Die Befreiung vom Faschismus jährt sich zum 70ten Mal. Am 8. Mai 1945 endlich streckte die dt. Wehrmacht die Waffen und kapitulierte bedingungslos. Das von den Nazis errichtete KL «Natzweiler-Struthof» wurde von diesen Ende November 1944 aufgegeben. 22.000 Menschen hatten dort ihr Leben gelassen. Sie starben an den Folgen der in der Gefangenschaft erlittenen Krankheiten, an Kälte und Mangelernährung oder wurden ermordet.

Das Konzentrationslager war im April 1941 vom Nazi-Regime im besetzten französischen Elsass in 800 Metern Höhe auf einem Gipfel der Vogesen errichtet worden. Die Gegend war ursprünglich als Ski- und Naherholungsgebiet bekannt (der «Struthof»). Das Hauptlager ist das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden. Es diente vor allem als Arbeitslager für die Kriegsindustrie. Dort wurden auch medizinische Experimente an Gefangenen durch Nazi-Professoren der Reichs-Universität Straßburg durchgeführt. Ursprünglich wurde das Lager für 1500 Häftlinge gebaut, jedoch waren im September 1944 zwischen 7. 000 – 8.000 Gefangene untergebracht. Das bedeutete, dass in eine Baracke von 17 Metern Breite und 44 Metern Länge 650-750 Menschen gepfercht wurden.

Von den insgesamt etwa 52.000 Gefangenen (1941-45) aus ganz Europa kamen etwa 35.000 direkt in die fast 70 Nebenlager (z.B. Vaihingen/Enz, Leonberg oder Neckarelz) auf beiden Seiten des Rheins; sie haben das Hauptlager nie gesehen.

BUS ZUSTIEGSMÖGLICHKEITEN
An vier Orten kann zur Gedänkstettenfahrt zugestiegen werden. Die Fahrt beginnt morgens in Tübingen und kommt dort auch wieder am späteren Abend an.

Stationen

08:00 Tübingen Touristikbusparkspur (zwischen Obf u. AOK)
08:45 Stuttgart-Vaihingen, Bahnhof
09:30 KZ-Lager Gedenkstätte Vaihingen/Enz (Nähe Bahnhof)
11:30 Karlsruhe, Bahnhof (hinter dem Bhf. – Südausgang)

Da man auf dem Gelände des KZ-Natzweiler Struthof keine Speisen zu sich nehmen kann, bitten wir Sie, sich selbst mit einem Vesper für den Tag zu versorgen.

ANMELDUNG
Die Teilnehmer*innenzahl für die Exkursion ist begrenzt. Wir bitten um Anmeldung bis spätestens 06. Juli 2015 an: bawue@rosalux.de,
Tel.: 0711-99797090.

Nach erfolgter Anmeldung erhalten Sie eine Anmeldebestätigung mit Hinweisen zur Entrichtung der Teilnahmegebühr: Sie beträgt regulär 20 €, ermäßigt 10 € (Rentern*innen, Studierende, Geringverdienende, Erwerbslose), Solidaritätsbeitrag 30 €.

Bewirtung ist nicht in der Gebühr enthalten.

Wir bitten Sie, Getränke und Verpflegung mitzubringen. Eine längere Mittagspause wird aus zeitlichen Gründen nicht möglich sein.

Wichtig! Wettertaugliche Kleidung, feste Schuhe u. Kopfbedeckung, das Lager ist auf einer großen Freifläche ohne Schatten.

Kontakt

RLS-Regionalbüro Baden-Württemberg
Ludwigstr. 73a
70176 Stuttgart

Telefon: 0711 99797090
Fax: 0711 99797091
E-Mail: bawue@rosalux.de

Eine Veranstaltung von: Die AnStifter, Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg und VVN-BdA Tübingen-Mössingen.

Der Aufstieg der AfD: Neokonservative Mobilmachung in Deutschland

12. Juni 2015

Diskussion / Vortrag
Mit Sebastian Friedrich
Freitag, 26.06.2015 | 19:00 Uhr

Club Voltaire, Tübingen
Haaggasse 26b
72070 Tübingen

Die AfD ist Teil eines Phänomens, das über die Umwälzungen im Parteienspektrum hinausweist. Als rechte Sammlungspartei ist sie nicht nur parlamentarischer Arm für rechte Mobilisierungen, die sich gegen »Islamisierung«, Flüchtlingsheime und sexuelle Vielfalt im Schulunterricht auf die Straße gehen. Die Partei ist auch parlamentarische Vertretung des reaktionären Teils der Mitteklasse, die sich nicht mehr repräsentiert sieht und vor lauter Besitzstandsängsten nicht mehr schlafen kann. Zudem hat die AfD das Potenzial, die Fraktion derjenigen Unternehmen zu vertreten, die auf regionale und lokale Absatzmärkte orientiert sind. Mit AfD, Demo für alle, Pegida, Junge Freiheit und einer radikalisierten Mittelklasse droht sich ein rechtes Projekt zu etablieren.

Sebastian Friedrich ist Redakteur von kritisch-lesen.de und analyse&kritik. Er ist Autor des aktuell erschienenen Buches »Der Aufstieg der AfD: Neokonservative Mobilmachung in Deutschland« (bertz+fischer 2015).

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg.

Ansprache am 8. Mai 2015 zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung in Tübingen

9. Mai 2015

gehalten von Lothar Letsche für die VVN-BdA auf dem Tübinger Holzmarkt um 17 Uhr

In Tübingen war der 2. Weltkrieg schon am 19. April 1945 zu Ende. Da kam die französische Armee. Die Stadt hatte den 2. Weltkrieg fast unzerstört überstanden.

In jenen letzten Apriltagen 1945 mussten die Gefangenen des Zuchthauses in Ludwigsburg im Hof antreten. Unter ihnen viele politische Häftlinge. Nach einem Fußmarsch hatten sie Güterwagen zu besteigen, die sie in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich bringen sollten. In Donauwörth kam der Zug zum Stehen. Die Eisenbahnbrücke war am 19. April von alliierten Tieffliegern zerstört worden. Die Häftlinge wurden in das überfüllte Zuchthaus Kaisheim gebracht. Das wurde von der anrückenden amerikanischen Armee zunächst mit einer SS-Kaserne verwechselt und beschossen. Die Wachmannschaft türmte. Nach Einnahme des Ortes und des Gefängnisses wurden die politischen Häftlinge nach und nach von der US-Armee entlassen.

Das war die Geschichte der Befreiung meines Vaters Curt Letsche. Er hat sie in Romanen geschildert. Ich bin also wortwörtlich ein Kind der Befreiung.

Aber wir alle als heute Lebende verdanken die Grundlagen eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai. Er sollte auch in Deutschland ein offizieller Feiertag sein.

Es schmälert niemandes Beitrag im Kampf um diese Befreiung, wenn ich den der Sowjetunion hervorhebe. Sie verlor 27 Millionen Menschen. Auch heute heißt eine U-Bahn-Station mitten in Paris, „Stalingrad“. Dort wurde der Kriegsmaschine der deutschen Faschisten das Genick gebrochen. Die Franzosen wissen sehr gut, eine zweite Front, die ab dem 6. Juni 1944 ihr Land befreite, hätte es nicht gegeben, wenn sich die Rote Armee nicht schon auf die deutsche Grenze zu bewegt hätte.

Das muss man heute ins Gedächtnis rufen, denn Geschichtsklitterungen haben Konjunktur.

Hitlers Außenpolitik und Hilfstruppen hatten sich Österreich einverleibt und mit dem „Münchner Abkommen“ vom 30.09.1938 die Tschechoslowakei zerstückelt und dann ihre staatliche Existenz ausgelöscht. Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 konnte niemand verwundern. Die Beistandszusagen der Westmächte nützten den Polen nichts. Erst 1940 folgten ihren Kriegserklärungen tatsächliche Kriegshandlungen.

Hätte das verhindert werden können? Dazu Winston Churchill, britischer Premier von 1940 bis 1945. Ein „Bündnis von England, Frankreich und Russland hätte Deutschland im Jahr 1939 mit größter Beunruhigung erfüllt, und niemand vermag zu beweisen, dass sich der Krieg nicht sogar damals hätte verhüten lassen. …“ Entsprechende Initiativen der Sowjetunion gab es, bestätigt Churchill, und schreibt in seinen Memoiren weiter: „Wenn Chamberlain zum Beispiel bei Empfang des russischen Angebots geantwortet hätte: Ja, wir drei wollen uns zusammentun und Hitler das Genick brechen, oder mit anderem Worten dieses Inhalts, so hätte das [britische] Parlament zugestimmt, Stalin wäre zufrieden gewesen, und die Geschichte hätte vielleicht einen anderen Lauf genommen. Wenigstens hätte sie keinen schlimmeren nehmen können. Stattdessen folgte langes Schweigen, während halbe Maßnahmen und wohlabgewogene Kompromisse vorbereitet wurden.“

So lief das. Erst in letzter Minute wurde von der sowjetischen Führung die Notbremse gezogen und am 23. August 1939 ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffsvertrag unterzeichnet, den die Nazis vorgeschlagen hatten. Wenn das heute von manchen als eine Art Komplott zur Vorbereitung des 2. Weltkriegs hingestellt wird, stimmt es einfach nicht.

Nichts schafft die Tatsache aus der Welt, dass dieser verheerendste aller bisherigen Kriege von deutschem Boden ausging.

Im Grundgesetz gibt es, bis heute gültig, den Artikel 139: „Die zur ‚Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus‘ erlassenen Rechtsvorschriften werden von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt.“ Sie gelten also weiter.

Uns vom „Nazismus und Militarismus“ zu befreien – immer in einem Atemzug genannt – das war das Ziel der Befreier! Schon im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 nachzulesen.

Eine Kommission der amerikanischen Militärregierung hielt 1947 fest:
„Die Deutsche Bank benutzte ihre gewaltige Macht, um bei der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet mitzuwirken“.
Und da steht auch: „Es wird empfohlen, dass 1. die Deutsche Bank liquidiert wird; 2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden; 3. die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.“

Also, wenn beispielsweise Griechenland – nicht erst heute – die Frage der von den Nazis erpressten Zwangsanleihe und überhaupt von Reparationen für die Nazi-Besatzung endlich anständig geregelt bekommen will, sollen sie nicht so arrogant tun, als ginge das unsere heutige Regierung und die heutigen Banken nichts an!

Im sogenannten „2 + 4-Vertrag“ von 1990 wird auch bekräftigt, dass „von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.“

Wie oft ist seitdem dagegen verstoßen worden! Brandgefährlich ist die Situation in der Ukraine, die in EU- und NATO-Strategien einbezogen wird. Die Bundesregierung steht in der historischen Verantwortung, eine neue Entspannungspolitik mit Russland auf den Weg zu bringen, in der die Sicherheitsinteressen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.

Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera dürfen nicht zu verdienten Freiheitshelden umgelogen werden. Faschisten in der Regierung und militärischen Strukturen der Ukraine können keine Bündnispartner sein.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Gruppierungen wie die NPD gehören aufgelöst!

Der „NSU“-Untersuchungsausschuss des Landtags muss die Verstrickungen zwischen mordenden und Hassparolen verbreitenden Nazistrukturen, Polizeikreisen und Geheimdiensten konsequent aufarbeiten.

Und das Feindbild muss stimmen!

Wenn Antifaschistinnen und Antifaschisten und kapitalismuskritische junge Menschen und ihre Entschlossenheit, Nazis nie mehr die Straße zu überlassen, mit diesen auf eine Stufe gestellt werden, dann hat man das Problem nicht begriffen!

Auch wenn Nazis sich als Initiativen gegen Flüchtlingsunterkünfte oder „Islamismus“ tarnen, ist ihr Ziel doch immer das gleiche.

Zum Schluss noch eine aktuelle Anmerkung.

Tübingen besaß bis vor vier Wochen einen intakten, als geschütztes Denkmal ausgewiesenen authentischen Ort der Naziverfolgung – den ehemaligen Güterbahnhof, wo im 2. Weltkrieg sowjetische Zwangsarbeiter schuften mussten. Die Firma Aurelis hat mit Zustimmung der Denkmalschutzbehörden mit dem teilweisen Abriss begonnen. Wir haben dagegen protestiert.

Die offene Ruine, jetzt in städtischem Besitz, darf nicht verkommen! Für eine Nutzung als Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus gibt es bisher keinerlei bindende Festlegung. Das wäre aber das Mindeste, was jetzt von Seiten der Stadt kommen müsste! Mit einem klaren Zeitplan, wann das Restgebäude dafür hergerichtet wird.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Fritz Bauer – Tod auf Raten

9. Mai 2015

Filmmatinée mit Vortrag zu Leben und Wirken des hessischen Generalstaatsanwalts, der den Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965) auf den Weg brachte

Mit einer Einführung von Uwe Kaltenmark zu Leben und Wirken von Fritz Bauer

Sonntag, 17.05.2015 | 10:30 Uhr
Kino »Arsenal«
Am Stadtgraben 33, 72070 Tübingen

10:30 – 11:30 Uwe Kaltenmark (Stuttgart) stellt das Leben und Wirken von Fritz Bauer vor
11:30 – 13:00 »Fritz Bauer – Tod auf Raten«. Ein Film von Ilona Ziok
(Deutschland 2010, 97 Minuten)

Ein deutscher Staatsanwalt, der bei seinen Ermittlungen über NS-Verbrechen in die Netzwerke von Alt-Nazis gerät.
Das Psychogramm eines Aufrechten in den 60er Jahren und einer Nation, die von ihrer Vergangenheit nichts wissen wollte.

Fritz Bauer war wohl der profilierteste Staatsanwalt, den die Bundesrepublik je hatte! Er sah sich in der Tradition Gustav Radbruchs als »Jurist aus Freiheitssinn«, glaubte, dass »Unruhe die erste Bürgerpflicht« sei und war davon überzeugt, dass der Bürger ein Widerstandsrecht gegen Willkürakte des Staates habe. Hierfür stritt er als als Generalstaatsanwalt von Niedersachsen in einem Aufsehen erregenden Prozess in Braunschweig (1952/53), in dem es um die rechtliche Legitimität des 20. Juli 1944 ging und in dessen Verlauf Bauer die Rehabilitierung der hingerichteten Verschwörer erreichte. Damit war er ein Pionier modernen »zivilgesellschaftlichen« Denkens, aus dem das Rechtswesen nicht ausgenommen war.

Mit derselben Zielgerichtetheit mit der Fritz Bauer die Angehörigen des 20. Juli rehabilitierte, hat er wie kein anderer Jurist die Aufhellung und Ahndung der NS-Verbrechen in Gang gesetzt. Als hessischer Generalstaatsanwalt (1956–1968) war er der maßgebliche Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse (1963–1965).

Am 30. Juni 1968 wurde Fritz Bauer tot in seiner Frankfurter Wohnung aufgefunden. Die Räume waren »aufgeräumt«, das heißt, es lagen nicht – wie sonst – überall angefangene Skripte und Materialien herum: Alles war weg. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf.

Mit Akribie hat die Regisseurin Ilona Ziok Archive durchforscht und wegweisende Statements des hessischen Generalstaatsanwalts ausgegraben. Um sie herum montiert sie in Form eines filmischen Mosaiks Archivmaterial mit ausgesuchten Werken klassischer und zeitgenössischer Komponisten und die Aussagen von Bauers Zeitzeugen: Freunde, Verwandte und Mitstreiter. Dabei entsteht nicht nur die spannende Handlung eines beeindruckenden Lebens, sondern auch das eindrucksvolle Porträt eines der bedeutendsten Juristen des 20. Jahrhunderts.

Eintritt: 8,– €/ermäßigt 7,– €

Hinweis: »Fritz Bauer.  Der Staatsanwalt«.  Ausstellung im Landgericht Tübingen vom 8. Mai bis 26. Juni 2015 mit Begleitprogramm

Filminfos und Trailer hier.

Eine Veranstaltung von
★    Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg
★    VVN-BdA Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen

70 Jahre 8. Mai 1945 – Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg

1. Mai 2015

»Von Deutschland soll nie wieder Krieg ausgehen!« – Das war die wichtigste Lehre nach der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8./9. Mai vor 70 Jahren. Bis heute ist diese Überzeugung in der großen Mehrheit der Bevölkerung verwurzelt.

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der kriegführenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens »Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen« als wichtigste Lehre der Geschichte dar. Die Bereitschaft, »deutsche Interessen« erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen, ist gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Regierung und Bundestag wieder politische Praxis geworden. Längst gehen wieder deutsche Waffen und zunehmend auch deutsche Truppen in alle Kriegs- und Konfliktgebiete der Welt.

Baden-Württemberg und seine Landeshauptstadt Stuttgart sind heute wichtige Zentren für Kriegsvorbereitung, Kriegsführung, Rüstungsproduktion und Rüstungsexport.

Am 8. Mai wollen wir vor allem an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Krieg, Elend und Unterdrückung erinnern und dies als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Mit diesem Aufruf laden 17 Initiativen und Organisationen zur Teilnahme an den Aktionen und Veranstaltungen in Tübingen zum 70. Jahrestag des Tages der Befreiung am 8. Mai 2015 ein:

15 Uhr Gedenken am Gräberfeld X Stadtfriedhof (Gesellschaft Kultur des Friedens)

16.30 Uhr Demonstration ab Europaplatz (OTFR, SDAJ)

17 Uhr Kundgebung auf dem Holzmarkt mit einem Redebeitrag von Pfarrerin Bärbel Danner und weiteren Reden, dem Musiker Peter Weiß, der Gruppe Klezmob und dem Ernst-Bloch-Chor (Bündnis 8. Mai).

Im Anschluß Gedenken an den Flüchtling Pouryazdani, Platz hinter der Stiftskirche (Kultur des Friedens).

20 Uhr Veranstaltung mit dem ehemaligen UN-Beauftragten Hans von Sponeck, Schlatterhaus (Kultur des Friedens).

20 Uhr Gedenken an Mieciu Langer mit dem Film über ein Zeitzeugengespräch, franz.K Reutlingen (VVN-BdA, Rosa-Luxemburg-Stiftung, franz.K, Jugendzentrum Kulturschock Zelle).

Im Bündnis 8. Mai arbeiten mit:
DGB AK Tübingen, Friedensplenum-Antikriegsbündnis, VVN-Bund der Antifaschisten VVN-BdA, Mahnwache für den Frieden, Pax Christi, SDAJ, Gesellschaft Kultur des Friedens, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen DFG-VK, Informationsstelle Militarisierung (IMI), Offenes Treffen gegen Faschismus und Rassismus (OTFR), Gruppe ZAK, Antifa (Aufbau), Die Linke, DKP, Frauenverband Courage, Naturfreunde, Förderverein für jüdische Kultur Tübingen.

Für das Bündnis 8. Mai

Gisela Kehrer-Bleicher (Friedensplenum-Antikriegsbündnis)
Henning Zierock (Gesellschaft Kultur des Friedens)

Tag der offenen Tür am ehemaligen Güterbahnhof Tübingen

28. April 2015

Pressemitteilung der VVN-BdA Baden-Württemberg


Unter dem Motto »Zwischen Schönheit und Entsetzen – Industrieromantik trifft Überwachung« bestand am Sonntag, 26. April 2015, die absehbar letzte Gelegenheit, die noch intakte Halle des ehemaligen Tübinger Güterbahnhofs zu besichtigen. Die Abrissarbeiten an dem denkmalgeschützten Ensemble hatten vor zehn Tagen begonnen. Der historische überdachte Bahnsteig ist schon teilweise zerstört.
Der Initiativgruppe, welche die Besichtigung ermöglichte, war und ist an der Unversehrtheit des Gebäudekomplexes sowie einer möglichst unfassenden Dokumentation seines Zustands gelegen. Dabei konzentriert sich das Interesse auf die zum Abriss vorgesehenen Teile und den in der Mitte der Güterhalle befindlichen Beobachtungsstand, mit dessen Funktion zur Überwachung von Zwangsarbeitern im 2. Weltkrieg die Denkmaleigenschaft wesentlich begründet wurde.
Die VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Baden-Württemberg ist den Initiatorinnen und Initiatoren dieses Tags der offenen Tür außerordentlich dankbar, konnten sich doch zahlreiche Besucherinnen und Besucher von der Bedeutung dieses landesweit einmaligen Denkmals überzeugen – leider wohl zum letzten Mal in der überlieferten Form. Die VVN-BdA sieht daher mit Unverständnis der weiteren Zerstörung des Denkmals entgegen.
Von dieser hängt die Erschließung des Areals nicht ab. Doch sie wird von der »Investoren«-Firma Aurelis und der Tübinger Stadtverwaltung bewusst vorgezogen, um für den künftigen »Begütertenbahnhof« vollendete Tatsachen zu schaffen – noch vor dem Abriss leerstehender Ruinen, noch vor der Bearbeitung unserer beim Landtag vorliegenden Petition. Am gleichen Tag, wie diese einging (10.04.2015), signalisierte das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen bereits dem Petitionsausschuss, dass in diesem Fall eine Ausnahme von dem sonst bei Petitionen geltenden Stillhalteabkommen gemacht werde. Nachdem der Bund das staatseigene Gelände »Investoren« übereignet hatte, die es mitsamt dem Denkmal verkommen ließen, kuschen nun Land und Stadt, statt das ausgewiesene Denkmal zu schützen, vor den »Rendite«-Erwartungen dieser »Investoren«.

Fotodokumentationen:
http://tuebingen.vvn-bda.de/2015/04/26/der-ehemalige-gueterbahnhof-tuebingen-bei-beginn-des-teilabrisses-ende-april-2015/

https://zukuenftige-nachbarschaft-gueterbahnhof.mtmedia.org

Der ehemalige Güterbahnhof Tübingen bei Beginn des Teilabrisses, Ende April 2015

26. April 2015



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Alle Fotos: © VVN-BdA Tübingen-Mössingen, Christian Harde 2015

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