Sterben im Mittelmeer – Flüchtlinge brauchen unseren Schutz

23. April 2015

Breites Bündnis ruft zur Kundgebung am 25.4. in Tübingen auf
Es liegt an uns. Angesichts der erneuten Flüchtlingskatastrophe vor der libyschen Küste fordern wir die deutsche Bundesregierung und die europäischen Institutionen auf, sofort alles Notwendige zu unternehmen, um den Flüchtlingen zu helfen, die den gefährlichen Weg über das Mittelmeer wählen müssen. Wir brauchen jetzt keine Betroffenheitsbekundungen ohne Konsequenzen, sondern entschlossenes politisches Handeln.

Menschen, die sich zur Flucht entscheiden, bleibt keine Wahl, denn niemand verlässt freiwillig seine Familie und seine Heimat. Sie flüchten vor Krieg und Tod, vor Hunger, Aussichtslosigkeit und Unterdrückung. Es sind Kinder, Frauen und Männer, die aus höchster Not alles zurücklassen, was ihnen lieb ist und was ihr bisheriges Leben ausgemacht hat. Sie flüchten über das offene Meer, weil Europa seine Grenzen abgeschottet hat.

Wir sind dankbar, dass wir hier ein ruhiges Leben haben. Aber wir wissen auch, dass es angesichts der Geschichte Europas mit all seinen Flucht und Auswanderungswellen jetzt an uns ist, zu helfen. Wir können es nicht zulassen, dass das Mittelmeer, das drei Kontinente verbindet, zur einer tödlichen Gefahr wird. Und Europa schaut in tatenlosem Zynismus zu, wie tausende Menschen ertrinken.

Wir wollen, dass sich das ändert. Denn Flüchtlinge brauchen unseren Schutz. Sofort.

Kreisverband der Grünen Tübingen & Asylzentrum Tübingen
Folgendes Bündnis ruft zur Kundgebung auf am Samstag, 25.4.2015 um 12 Uhr am Holzmarkt/Ecke Schulberg in Tübingen:

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Tübingen

Asylzentrum Tübingen

Attac Tübingen

Beratungsstelle Frauen helfen Frauen e.V.

Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverband Tübingen

Christian Kühn, MdB

Daniel Lede Abal, MdL

DGB Kreisverband Tübingen

DIE LINKE Kreisverband Tübingen

FDP Kreisverband Tübingen

Flüchtlingshilfe-Härten

Freundeskreis Asyl der evangelischen Kirchengemeinde Rottenburg

Freundeskreis Asyl Nehren

InFö

Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten)

Kultur des Friedens

SPD Kreisverband Tübingen

Tübinger Syrienhilfe e.V.

Unterstützerkreis Flüchtlinge in der Niethammerstraße, Tübingen
Es gibt Redebeiträge von Oberbürgermeister Boris Palmer, Heike Hänsel MdB, Daniel Lede Abal MdL, Dr. Christopher Gohl (FDP), Constantin Buhociu (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Tübingen), Andreas Linder (Flüchtlingsrat Baden-Württemberg) und Andreas Foitzik (medico-Gruppe Tübingen und Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik) sowie musikalische Beiträge der Kultur des Friedens.

OB Palmers Beitrag zum „Weltdenkmaltag“ 18. April: Abrissgenehmigung für Kulturdenkmal Güterbahnhof – am Vorabend des 70. Jahrestags der Befreiung Tübingens

23. April 2015

Erklärung der VVN-BdA Baden-Württemberg zum Abriss des Kulturdenkmals Güterbahnhof in Tübingen, 16.04.2015

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer [Bündnis 90/DIE GRÜNEN] hat den Abriss eines Teils des ehemaligen Tübinger Güterbahnhofs genehmigen lassen. Die Abrissarbeiten sind im Gange. Bisher gilt das Ensemble als geschütztes Denkmal.

„Vor allem aber wegen des erhaltenen Beobachtungsstands, der an die russischen Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkriegs in Tübingen erinnert, ist es ein Kulturdenkmal“, heißt es in der Denkmalverfügung des Regierungspräsidiums Tübingen vom 22.10.2010. An seiner Erhaltung bestehe „wegen seines exemplarischen und dokumentarischen Wertes ein öffentliches Interesse.“

Mit Unverständnis reagierte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Baden-Württemberg daher auf OB Palmers  Entscheidung. Sie hatte sich mit einer Eingabe an den Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg gewandt. „Der Ausschuss versteht sich nach eigenen Worten als ‚Notrufsäule‘ für die Bürgerinnen und Bürger“, erklärte Lothar Letsche, Geschäftsführendes Landesvorstandsmitglied der VVN-BdA und Verfasser der Petition. „Man teilte uns mit, es gebe ein sogenanntes Stillhalteabkommen: Behördenmaßnahmen werden ausgesetzt, bis der Petitionsausschuss die Eingabe geprüft und bearbeitet hat. Trotzdem wird hier der Weg gewählt, zuerst unumkehrbare Fakten zu schaffen. Auf keinen Fall soll das geschützte Denkmal ein geschütztes Denkmal bleiben. Der Grundstückseigentümer ist aurelis, dessen Investoren das Bahngelände zugeschoben wurde. Die könnten auf dem Gelände andere leere Gebäude abreißen und andere Arbeiten durchführen, um mit der Erschließung zu beginnen. Genau mit dem Teilabriss des Güterbahnhofs fängt man an, genau jetzt. Die Denkmaleigenschaft war den ‚Investoren‘ von Anfang an ein Dorn im Auge. Leider spielt die Tübinger Stadtverwaltung mit. In ihrer Eigenschaft als untere Denkmalbehörde hat sie die Genehmigung erteilt.“

OB Palmer habe das bestätigt und stelle es so hin, als hänge der Bau von 570 Wohnungen von dem sofortigen Teilabriss ab. Die VVN-BdA bezweifelt einen solchen Sachzwang. „Es gibt seit dem 25. März einen allgemeinen Bebauungsplan. Keinen Plan für ein einziges Haus und eine einzige Wohnung. Die Unterlagen behandeln seitenlang den Schutz des Einzelhandels und geschützter Tier- und Pflanzenarten. Nirgendwo wird behauptet, dass sich hier jemals Fledermäuse eingenistet hätten. Die sollen nun als Argument für den sofortigen Teilabriss herhalten. Die Denkmalbegründung der oberen Denkmalbehörde ist von der Stadtverwaltung weder dem Gemeinderat noch den Bürgern jemals im Wortlaut zur Kenntnis gebracht worden.“

Die politische Instinktlosigkeit bestehe darin, kurz vor dem „Weltdenkmaltag“ 18. April, kurz vor dem 70. Jahrestag der Befreiung Tübingens am 19. April eine solche „Entdenkmalisierung“ durchzuführen. „Passender wäre gewesen, das intakte Denkmal Güterbahnhof in das  Gedenken zum 70. Jahrestag der Befreiung Deutschlands einzubeziehen. Genau das war wohl nicht gewollt.“

Zum 70. Jahrestag des Endes der Nazi-Diktatur

23. April 2015

8. Mai – Tag der Befreiung!

In Gedenken an Mieciu Langer

Freitag, 8. Mai 2015, 20 Uhr im franz.K (Reutlingen)

 
Zum 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung von der Nazi-Diktatur, wollte Mieciu Langer von seinem Überleben in fünf Konzentrationslagern erzählen – leider ist er in den letzten Tagen des März 2015 im Alter von 87 Jahren gestorben.

Im Gedenken an ihn zeigen wir nun an diesem Abend mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Tübingen den Mitschnitt eines ca. 50-minütigen Zeitzeugengesprächs, das im März 2012 im Rathaus Tübingen stattfand. Außerdem erinnern Weggefährten und Freunde an Begegnungen mit Mieciu Langer.

1927 wurde er in Polen geboren, und als er 1945 von der Roten Armee aus dem Konzentrationslager Theresienstadt befreit wurde, wiegt er nur noch 38 Kilogramm und hat sich mit Typhus infiziert. Mit 20 Jahren lernt er in einem Wohnheim für jüdische Waisen in Krakau seine Frau Felicia kennen. Sie heiraten 1949 und wandern ein Jahr später nach Israel aus. Felicia Langer wurde als Menschenrechtsaktivistin bekannt.

Die Geschichte ihres Mannes hat sie in dem Buch „Miecius später Bericht. Eine Jugend zwischen Getto und Theresienstadt“ aufgeschrieben. Mit seinen Vorträgen in Schulklassen und bei Zeitzeugengesprächen hatte er seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern ohne Pathos und mit dem ihm eigenen tiefsinnigen Humor erzählt und seine Zuhörer in seinen Bann gezogen.

Eine Kooperationsveranstaltung von franz.K mit Kulturschock Zelle, VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) Kreisvereinigungen Reutlingen und Tübingen-Mössingen und Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.

Ab ca. 22 Uhr Befreiungsparty im Jugendzentrum Kulturschock Zelle, Albstraße 78

8. Mai 1945 – Ende des 2. Weltkriegs – 70 Jahre Tag der Befreiung vom Faschismus

3. April 2015

Befreiung, Potsdamer Abkommen und historisch-politische Streitfragen

Vortrag und Diskussion mit Prof. Ludwig Elm (Jena)

Dienstag, 28. April 2015, 20 Uhr, Club Voltaire, Tübingen

 
Der 8. Mai 1945 ist die bedeutendste weltgeschichtliche Zäsur des 20. Jahrhunderts. Die alliierten Streitkräfte schufen mit dem Sieg über den deutschen Faschismus die Grundlagen für eine friedliche und demokratische Entwicklung in Europa. Das Potsdamer Abkommen und die Nürnberger Prozesse, die Gründung der UNO und die Charta der Menschenrechte waren die gemeinsamen und grundlegenden Schlussfolgerungen der Antihitlerkoalition aus unsagbarem Leid, nach unzähligen und unbeschreiblichen Opfern und Kämpfen.

Unterschiedliche historische Deutungen und Bewertungen der Geschichte führen auch heute wieder zu Kontroversen etwa über
∙    den herausragenden Beitrag der UdSSR beim Sieg über den Faschismus
∙    den „Hitler-Stalin-Pakt“
∙    die Nachkriegsentwicklung und Restauration
∙    die Aufarbeitung des Faschismus in der DDR und der Bundesrepublik
∙    deutsche Erinnerungskultur.

Gegen den herrschenden Meinungsstrom muss die demokratische und antifaschistische Bewegung in diesen Auseinandersetzungen ihre Einsichten und Perspektiven einbringen und geltend machen. Der Vortrag von Prof. Ludwig Elm setzt sich mit Versuchen, die Geschichte umzuschreiben, sowie mit aktuellen Fragestellungen der historischen Forschung und ihrer politischen Bedeutung auseinander.

Veranstalter: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Tübingen-Mössingen, Friedensplenum Tübingen, Club Voltaire, Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.

Zum 70. Jahrestag des Endes der Nazi-Diktatur: 8. Mai – Tag der Befreiung!

17. März 2015



Mieciu Langer ist am 27. März 2015 gestorben.

Wir trauern und sprechen der Familie von Mieciu Langer unser Mitgefühl aus.

Die Veranstaltung in Reutlingen zum 8. Mai muss nun in veränderter Form stattfinden. Die Planungen dazu laufen. Näheres folgt sobald wie möglich.


Mit Mieciu Langer

Zeitzeugengespräch | Diskussion

Freitag, 8. Mai 2015 | 20:00 Uhr

franz.K
Kultur im alten französischen Kino
Unter den Linden 23
72762 Reutlingen

Eintritt frei

Zum 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestags der Befreiung von der Nazi-Diktatur, erzählt Mieciu Langer von seinem Überleben in fünf Konzentrationslagern. 1927 wurde er in Polen geboren, und als er 1945 von der Roten Armee aus dem Konzentrationslager Theresienstadt befreit wurde, wiegt er nur noch 38 Kilogramm und hat sich mit Typhus infiziert. Mit 20 Jahren lernt er in einem Wohnheim für jüdische Waisen in Krakau seine Frau Felicia kennen. Sie heiraten 1949 und wandern ein Jahr später nach Israel aus. Felicia Langer wurde als Menschenrechtsaktivistin bekannt. Die Geschichte ihres Mannes hat sie in dem Buch „Miecius später Bericht. Eine Jugend zwischen Getto und Theresienstadt“ aufgeschrieben.

Vortrag und Gespräch mit einem Zeitzeugen, der seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern ohne Pathos und mit dem ihm eigenen tiefsinnigen Humor erzählt und so seine Zuhörer – sei es in Schulklassen oder bei Vorträgen – in seinen Bann zieht.

Eine Kooperationsveranstaltung von
franz.K mit
Kulturschock Zelle,
★ VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) Kreisvereinigungen Reutlingen und Tübingen-Mössingen und der
Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg.

Ab ca. 22 Uhr Befreiungsparty im Jugendzentrum Kulturschock Zelle, Albstraße 78.

Weg mit den Krawatten der Wettbewerbsfähigkeit!

17. März 2015

Redebeitrag zur Kundgebung „Solidarität mit den GriechInnen“
am 14. März 2015

Der Stammtisch Unser Huhn ist eine alteingesessene Tübinger Einrichtung, die manche, denen nichts Besseres einfällt, als Satire-Stammtisch titulieren. Was hat ein Stammtisch auf einer Demonstration gegen Austeritätspolitik zu suchen?

Der Stammtisch Unser Huhn mischt sich immer wieder ein, steht weiter links als möglich und denkt sich nichts Rechtes. Doch wo wir sind, ist immer hinten. Wir wollen nämlich nicht bei Cem Özdemir stehen, dort, wo nachgesonnen wird, wie Deutschland vorne und wettbewerbsfähig bleiben kann. Der Stammtisch Unser Huhn ist niemals in Konsumlaune, der Stammtisch übt kein bürgerschaftliches Ahgaschma im Sinne des Regierungspräsidiums aus, der Stammtisch Unser Hun will nicht wettbewerbsfähig sein. Wir sind seit eh und je Parteigänger des Fragezeichens. Wehren uns aber auch gegen die pauschale Verachtung des sogenannten populistischen Stammtischs und des angeblichen Dunstes über ihm gerade durch dümmliche Politiker.

Wir werden uns deshalb in die Lobbyliste des Bundestages eintragen lassen, damit intelligente Stammtische eine kleine Vertretung haben.

Der Stammtisch Unser Huhn ist seit vielen Jahren als einziger Stammtisch weltweit Mitglied der Hölderlingesellschaft. Wir fordern etwa einen zweiten und dritten Hölderlin-Turm, zur Ankurbelung des Fremdenverkehrs. Wir hatten für heute einen umfangreichen Vortrag über die Griechen-Sehnsucht unseres Tübinger Hausdichters geplant, der die Versmaße der Asklepiadeischen Ode so schön einzuhalten wusste. Wir wollten ausschweifend aus seinem Briefroman Hyperion zitieren, dazu von Goethe den Monolog der Iphigenie vortragen, mit den goldenen Worten „das Land der Griechen mit der Seele suchend“, und auch Lessing mit seiner Beschreibung der Laokoon-Gruppe sowie Schillers „Griechische Götter“ anfügen. Wir wollten auf den Begriff der Humanitas eingehen, Griechenland als Geburtsland der Philosophie, der Kunst Europas, der Wissenschaften rühmen und preisen. Aber wir sind schließlich nicht Martin Walser, das nützt jetzt nichts.

Gegen die Krise helfen keine feinsinnigen Anspielungen aus dem Schatzbehälter des Abendlandsidealismus.

Fest steht aber: Homers und Hölderlins Held Achilleus hat keine Fliege getragen, Odysseus schnürte sich keine Krawatte um, nachdem er die heilige Stätte Troja zerstört hatte. Patroklos wusste nicht, was ein Selbstbinder ist.

Warum sage ich das?

Hier und heute soll es um das Wirken der neoliberalen Krawattroika nicht nur in Griechenland gehen. Es herrscht Krawattenzwang in den oberen Etagen der Honigglaspaläste, wo sich krummgelogene Erscheinungen mit Korkenzieherseelen tummeln, die nur von ihren Krawatten zusammengehalten werden. Auch bei der Deutschen Bank selbstredend, die mit der Formel Leistung mit Leichenduft, nein Leistung mit Leidenschaft, für sich wirbt. Für jede Bundestagsdebatte gilt der Satz: Die elende Blümchenkrawatte sagt mehr als der Redner. Wahrscheinlich gibt es zahlreiche Werbeverträge mit der Krawattenindustrie. Im Hintergrund gibt der besonders dezent krawattete Bundespräsident, der Freitheitsdecken-Vertreter, seinen Gauckolores-Senf dazu.

Eingeschnürtes Auftreten ist Pflicht. Es ist die „Unterwerfung unter den Kleidercode der Macht und ein Bereitschaft zur politischen Uniformität mit dem bürgerlichen Signum Krawatte“ (Florian Rötzer) in der Mitte, das bis hinunter aufs Gemächt deutet.

Klaus Kleber mit Krawatte oder Mathias Fornoff mit Krawatte befrägt in den Nachrichten Klaus Rainer Jackisch mit Krawatte auf dem Frankfurter Parkett, um zu erfahren, wie „die Märkte“ die Sache sehen, dann schalten sie um, um den neuesten Akt im Schuldendrama Griechenland auf die Bühne zu bringen. Da tauchen unvermeidlich die Schnarchsäcke Udo van Kampen mit Krawatte und Rolf Dieter Krause mit aberwitzigem Halstuch auf, die Brüsseler Korrespondenten von ARD und ZDF, die die Verlautbarungen der EU-Beamtenschaft praktisch eins zu eins wiedergeben. Sie schlafen, während sie einschläfern. Im Fall Syriza sind sie plötzlich aufgewacht. Ja, Moment mal, hier ist eine Veränderung eingetreten. Die haben ja gar keine Krawatten an, die lassen sogar das Hemd aus der Hose hängen. Krawallerie mit ohne Krawatte. Und diese Leute aus Athen schlagen einen Ton an, das ist nachgerade unverschämt. Zum Kopfschütteln. Und außerdem müssen sie in der Realität ankommen. Und so weiter.

Wir vom Stammtisch Unser Huhn sind geschworene Feinde dieser Krawattengesellschaft. Die Krawatte wird von manchen Sprachforschern mit der Garrotte in Verbindung gebracht, jenem Mordinstrument, das Generalissimus Franco in Spanien noch im März 1974 anwenden ließ, ein Halseisen, bei dem der Delinquent, an einen Holzpfahl gebunden, mit einer Würgeschlinge langsam erstickt oder ihm eine Metallschraube ins Genick gedreht wurde.

Krawatte heißt bezeichnenderweise auch ein unerlaubter Halsgriff bei den Ringern.

Und wir leben andauernd mit den medialen Vorführungen der Rituale von merkwürdigen Krawattenmännern, die irgendwo vorfahren, sich besprechen und verabreden und dann miteinander aufstellen, um ihre Krawatten ins Bild zu rücken. Krawattenheinis allerorten. Dazu kommt der unvermeidliche Wolfgang Bosbach, der praktisch jeden Abend als Dauergast in den sogenannten „Polit-Talks“ marktkonformdemokratisch berieselnd in die Wohnstuben einzieht. Mit besonders scheußlichen rosaroten Krawatten. Und da sind Ausbunde an Lächerlichkeit, wie Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler, einem Etikettenschwindelverein, der die Griechen in die Mülltüte stecken will.

Was fällt mir da ein? Der alte Witz:

Was ist der Unterschied zwischen einer Krawatte und einem Kuhschwanz? Der Kuhschwanz verdeckt das ganze Arschloch.

Rosa Luxemburg hat die Kritik der Krawatte bereits im Jahr 1900 aufgenommen, als sie über ihren Kontrahenten in der sozialdemokratischen Partei, Karl Kautsky, den zentristischen Krawattenträger, schrieb:„Nur die Krawatte, die Krawatte mit den wimmelnden weißen Bohnen, die den Blick förmlich faszinieren! – So eine Krawatte ist ein Scheidungsgrund.“ Aber das war für Rosa auch ein Argument im politischen Streit!

Gestern hab ich den beschlipsten Präsidenten des Europa-Parlaments in den Nachrichten gesehen, den Sozialdemokraten Martin Schulz, der gesagt hat, er habe Alexis Tsipras bei seinem Besuch gesagt: „Ihr tut alles, um ein Bild abzugeben, das nicht vertrauenswürdig ist.“ Welch eine Verdrehung! Der, dem kaum jemand glaubt, fordert Vertrauen ein.

Ich habe in einer Griechenland-Talkshow den „Kapitalmarktexperten“ Robert Halver, einen Schlipsträger seines Zeichens, sagen hören: Wettbewerbsfähigkeit ist der Lustgewinn der Volkswirtschaft. Was für eine Verdrehung. Ein armseliges Schlipsgehirn wie Jan Fleischhauer, der in Spiegel online auf dem Ticket „ehemaliger Linker“ reist, hat kürzlich in seiner Kolumne Tsipras und Varoufakis als Psychotiker bezeichnet. Er schreibt: „Um das Verhalten der Regierung in Athen zu verstehen, muss man die Medizin zurate ziehen: Wer genau hinhört, findet alle Elemente, die Fachleute dem ‚psychotischen Erleben‘ zurechnen.“ Fleischhauer stützt seine Diagnose auf ein allgemeines Interview in der „Frankfurter Allgemeinen“ mit einem Berliner Psychiater über „psychotisches Erleben“. Das habe ihm einen guten Einblick in die Gedankenwelt dieser Menschen gegeben, denen der normale Wirklichkeitsbezug abhanden gekommen ist. Was für eine Verdrehung.

Man könnte sagen, jede kleine Aufmerksamkeit, die man so einer Flitzkacke schenkt, ist vergeblich. Aber sie tut ja doch ihre Wirkung unter den Konsumenten.

Da darf auch der glänzende Schlipsträger Günter Oettinger nicht fehlen, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Bekanntlich hat er ja gesagt: Ewwrising hängs togesa. In Sachen Griechenland ist er in der Sendung von Maybrit Illner aufgefallen, als er ein Zitat von Varoufakis als „Unverschämtheit“ einstufte, das allerdings von der Redaktion verfälscht und in sein Gegenteil gekehrt worden war. Ein Zitat, das ihm aber in seiner richtigen Form bekannt gewesen sein muss.

Béla Anda, der Politik-Chef der „Bild“-Zeitung, früher Sprecher der Regierung Schröder/Fischer, wettert besonders eifrig gegen die „Radikalos-Regierung“ und schreibt Dinge wie: „Wie lederbejackte Rüpel-Rocker röhren Griechenlands Neo-Premier und sein Posterboy-Finanzminister seit ihrem mit platten Parolen erzielten Wahlsieg durch Brüssel. Ihr Gesetz ist die Straße. Hier sind sie (politisch) groß geworden.“ Die Straße trägt natürlich keine Krawatten.

Finanzminister Varoufakis hat gegen die Rolle der Europäischen Zentralbank im Schuldenstreit Stellung genommen. „Aus meiner Sicht verfolgt die EZB eine Politik gegenüber unserer Regierung, die ihr die Luft zum Atmen nimmt.“ Es muss an den Krawatten liegen.

Deshalb sagen wir vom Stammtisch Unser Huhn: Weg mit den Krawatten der Wettbewerbsfähigkeit!

Ihr könnt euch noch so viele Krawatten umbinden, vorne und hinten, oben und unten, uns habt ihr noch nie getäuscht. Der Stammtisch Unser Huhn macht sich keine Illusionen über die Wirksamkeit von Argumenten oder die Möglichkeiten, die die parlamentarisch-marktkonforme Demokratie bietet.

Um noch einmal Rosa Luxemburg anzuführen. Sie hat gesagt: „Geschändet, entehrt, im Blute watend, vor Schmutz triefend – so steht die bürgerliche Gesellschaft da, so ist sie. Nicht wenn sie, geleckt und sittsam, Kultur, Philosophie und Ethik, Ordnung, Frieden und Rechtsstaat mimt – als reißende Bestie, als Hexensabbat der Anarchie, als Pesthauch für Kultur und Menschheit, so zeigt sie sich in ihrer wahren, nackten Gestalt.“

Ich komme aus der Eifel, wo man eine Abart des Moselfränkischen spricht. Ich möchte zum Schluss einen Satz zitieren, den mein Großvater Hermes, der Altkommunist, oft sagte, wenn er seine faulen Genossen der Grundorganisation auf Trab bringen wollte. Er rief:

„Ma hualen de Gickeler oussem Stahl, ma spahnen se viert de Kanuhnen, ma foahren vieret Wanterpalais und dah maachen ma Strabumm, bis et knuppt.“

Das heißt übersetzt: Wir holen die größten Hühner aus dem Stall, wir spannen sie vor die Kanonen, wir fahren zum Sturm aufs Winterpalais und dann machen wir Strabumm, bis es gehörig Wirkung zeigt.

Ich wiederhole noch einmal im Dialekt: Ma hualen de Gickeler oussem Stahl, ma spahnen se viert de Kanuhnen, ma foahren vieret Wanterpalais und dah maachen ma Strabumm, bis et knuppt.

Der Stammtisch Unser Huhn ruft euch zu: Eine Welt ohne Krawattenmännerherrschaft ist wünschbar und sogar denkbar! Auf nach Frankfurt, zur EZB! Oder, mit Bertolt Brecht, anders gesagt: Auf was wartet ihr Und wie lange noch? Die Welt braucht euch.

Jonas
Stammtisch Unser Huhn

Krieg gegen Griechenland

17. März 2015

Redebeitrag zur Kundgebung „Solidarität mit den GriechInnen“
am 14. März 2015

In den deutschen Medien wird verbal aufgerüstet, die neue griechische Regierung wird mit den übelsten Schimpfworten diffamiert, der Ton zunehmend aggressiver. Den griechischen Politikern wird jeder Respekt verweigert, sie werden Chaostruppe, Halbstarke, Polit-Ganoven genannt, die man „nicht ernst nehmen kann“ und es nun auch noch wagen „den Hammer auszupacken“, weil sie nun endlich die immer noch ausstehende Rückzahlung der Zwangsanleihen und Reparationszahlungen aus der Zeit der deutschen faschistischen Besatzung realisieren wollen. Solche „Dreistigkeit“ muss bestraft werden, die Syriza-Regierung soll kuschen und akzeptieren, wer in Europa das Sagen hat.

Worum geht es?
Die griechische Regierung hat vor einigen Tagen einen parlamentarischen Ausschuss zur Einforderung der Verpflichtungen Deutschlands gegenüber Griechenland eingesetzt.
Erinnern wir uns: In der Zeit während der deutschen Besatzung wurden
130 000 griechische Partisanen und Zivilisten ermordet, 70 000 Juden in KZs verschleppt, Hunderttausende Griechen verhungerten und erfroren, weil die Wehrmacht das Land systematisch ausgeplündert hatte, die griechische Industrie und Wirtschaft lag zerstört am Boden.
1942 musste die griechische Zentralbank der deutschen Besatzungsmacht einen zinslosen Zwangskredit in Höhe von 568 Mill.Reichsmark gewähren, der mit der Verpflichtung zur Rückzahlung abgeschlossen wurde. Mit diesem Zwangskredit musste Griechenland die Kosten seiner eigenen Besatzung bezahlen.
Deutschland verweigert bis heute die Rückzahlung und eine Entschädigung für die Verbrechen der Nazis.

Die Bundesregierung, die in Europa und der Welt immer mehr Verantwortung will – vor allem wenn es darum geht globale Machtansprüche auch militärisch durchzusetzen – ist nicht bereit ihre historische und moralische Verantwortung zu übernehmen und lehnt jegliche Verhandlungen über Reparationen und Rückzahlung der Zwangskredite vehement ab.
Begründet wird dies damit, dass die Bundesrepublik 1960 im Rahmen eines Wiedergutmachungsabkommens einen allenfalls symbolischen Betrag von
115 Mill. DM an Griechenland gezahlt hat. Diese Mittel waren jedoch ausschließlich für „politisch und rassisch Verfolgte“ vorbehalten. Die ermordeten Partisanen, die Opfer von Massakern erhielten nichts, Massaker gelten nicht als „NS-typisches Unrecht“ und haben deshalb keinen Entschädigungsanspruch.

Die Londoner Schuldenkonferenz von 1952, auf die deutsche Regierungen immer gerne verweisen, hat keineswegs Deutschland die Kriegsschulden erlassen, sondern die Regelung bis zum Abschluss eines völkerrechtlich wirksamen Friedensvertrages verschoben. Auch mit dem 2+4 Vertrag von 1990, der zwischen Deutschland und den Alliierten geschlossen wurde (und nicht mit Griechenland!), sind die Reparationsforderungen nicht erledigt.

Die Bundesregierung erklärt die Rückzahlung des Zwangskredits einseitig als erledigt, sie falle unter die 1960 gezahlten mickrigen Reparationen. Aber auch für dieses Darlehen gilt wie für jedes andere: es muss wie im Vertrag vereinbart zurückgezahlt werden.

Hier wird die ganze Verlogenheit und Arroganz der deutschen Politik deutlich – während Deutschland gegenüber Griechenland unerbittlich Druck macht und auf die Rückzahlung von Schulden besteht, weigert es sich selbst seine Rückzahlungspflicht anzuerkennen. In einem vertraulichen Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages vom vergangenen Jahr werden Zweifel an der Position der Bundesregierung begründet. Die Ablehnung der Verhandlungen über Entschädigungszahlungen ist somit keine juristische Frage sondern eine politische. Es ist das Recht Griechenlands diese Verhandlungen einzufordern. Auf die Höhe der ausstehenden Gelder gehe ich jetzt nicht ein, das muss Inhalt der Verhandlungen sein.
Aber der Grundsatz gilt: Was die Nazis geraubt haben, darf die Bundesrepublik nicht einfach behalten.
Genau das soll vermieden werden und deshalb sollen auch die Griechen in die Schranken gewiesen werden. Außenminister Steinmeier hat vor kurzem erklärt, dass man der Forderung der Griechen nicht nachgeben wird, weil sich sonst eine unübersehbare Flut von weiteren Ansprüchen anschließen würde. Die Forderungen der Griechen könnten andere Völker daran erinnern, dass die deutschen Schulden 1952 nicht aufgehoben, sondern nur gestundet wurden. Es gibt noch viele Orte in Europa, deren Bewohner bisher keine eine Entschädigung für die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und der SS an Partisanen und Zivilisten bekommen haben. Die griechischen Politiker, die es wagen an diese offene Rechnungen zu erinnern werden auch deshalb von der deutschen Regierung bekämpft.

Für uns deutsche Antifaschistinnen und Antifaschisten ist es heute, 70 Jahre nach dem Ende des 2.Weltkriegs politische, historische und moralische Pflicht an die Opfer der Nazi-Besatzung zu erinnern und Entschädigung für die faschistischen Verbrechen zu fordern. Diese können damit sicher nicht wiedergutgemacht werden, aber es geht auch darum, das ungeheure Leid der Opfer anzuerkennen.

Alexis Tsipras sagte anläßlich der Einsetzung des Untersuchungsausschusses: „Dieses Unrecht liegt noch nicht allzu lange zurück. . . Im kollektiven Gedächtnis unseres Landes sind die Erinnerungen, die Bilder und Schreie der Misshandlungen und der Exekutionen in Distimo und Kaisariani, in Kalavryta und in Vianno frisch und lebendig. Ebenso wie die Verbrechen und die Zerstörung, welche die Wehrmacht in Griechenland und überall in Europa angerichtet hat. Diese Erinnerungen müssen an die nächste Generation weitergegeben werden… Und zwar nicht, um Misstrauen und Hass zwischen unsern Völkern zu schüren, sondern um sich immer vor Augen zu halten, wie das Gesicht des Nationalsozialismus, wie das Gesicht des Faschismus aussieht. Damit wir uns jederzeit vor Augen halten, dass anstelle von Überlegenheitswahn und der Selbstwahrnehmung als auserkorener Schicksalsgemeinschaft die Beziehungen der Völker zueinander von Solidarität, Freundschaft, Zusammenarbeit und Dialog geprägt sein sollen.“

Heute ist es unsere Aufgabe hier in Deutschland den Merkel, Schäuble und Co. zu sagen: ihr sprecht nicht in unserm Namen, Schluss mit den Hetzkampagnen gegen die griechische Regierung, respektiert endlich den Mehrheitswillen des griechischen Volkes und seine demokratische Wahlentscheidung!
Solidarität mit den Griechinnen und Griechen – Gemeinsam gegen die unsozialen und undemokratischen Angriffe der neoliberalen Politiker in Deutschland und Europa!

Gisela Kehrer-Bleicher
Für die VVN-BdA Tübingen-Mössingen

Anmerkung: Hingewiesen sei auf den titelgebenden Artikel Krieg gegen Griechenland von Ulrich Gellermann in der Rationalgalerie.

Kundgebung: Solidarität mit den Griech*innen – Auf zu den Blockupy-Protesten in Frankfurt/Main!

10. März 2015

Die Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen der VVN-BdA unterstützt den Aufruf zur Kundgebung und fordert zur Teilnahme auf:

Kundgebung: Solidarität mit den Griech*innen – Auf zu den Blockupy-Protesten in Frankfurt/Main!

Samstag, 14. März 2015, 11 Uhr
Tübingen, Holzmarkt

Wir sagen NEIN zur brutalen Kürzungspolitik, die die Bundesregierung und die Regierungen und Institutionen der Europäischen Union betreiben. Wir solidarisieren uns mit den Griech*innen, die besonders hart von dieser Austeritätspolitik betroffen sind. Wir sagen NEIN zur Hetzkampagne gegen Griechenland, die von vielen Medien, allen voran der Bildzeitung und neoliberalen und rassistischen Politiker*innen betrieben wird. Wir verurteilen die Erpressungspolitik von Schäuble & Co. gegenüber Griechenland. Wir begrüßen, dass die Griech*innen mit Syriza eine Regierung gewählt haben, die Schluss machen will mit dem europäischen Austeritätsregime. Doch das wird nicht ausreichen, um die Austeritätspolitik zu beenden. Es muss sich in ganz Europa mehr bewegen!

Deshalb rufen wir auf, am 18. März von Tübingen aus nach Frankfurt/Main zu den Internationalen Blockupy-Protesten anlässlich der Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank zu fahren.

Es gibt Busse zu den Blockaden (Abfahrt zwischen und 0 und 4 Uhr, weitere Infos und Tickets http://www.tueinfo.org/cms/node/22383) und einen Bus zur Großdemo (Abfahrt ca. 10 Uhr Tübingen Obf, Tickets gibt’s auf der Kundgebung und im Wahlkreisbüro Heike Hänsel MdB).

Es rufen auf: attac Tübingen, DIE LINKE Kreisverband Tübingen, Stammtisch Unser Huhn, [‘solid].SDS Tübingen u. a.

Weitere Infos unter Attac Tübingen.

»NO PASARAN« – Eine Geschichte von Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft haben

10. März 2015

Filmvorführung und anschließende Diskussion mit dem Regisseur Daniel Burkholz

 

Sonntag, 22.03.2015 | 11:30 Uhr bis 13:30 Uhr

Kino Arsenal, Tübingen
Am Stadtgraben 33
72070 Tübingen

»Wofür habt ihr gekämpft?« Diese Frage lässt den 96-jährigen Österreicher Gerhard Hoffmann sehr nachdenklich werden: »Also, das lässt sich in wenigen Worten nicht sagen.«

Auf einer Reise quer durch Europa, zu den letzten ZeitzeugInnen, die im Spanischen Bürgerkrieg und im 2. Weltkrieg gegen den Faschismus gekämpft haben, macht sich »NO PASARAN« auf die Suche nach Antworten. Im Zentrum dieses multinationalen Dokumentarfilms stehen die Lebenswege und persönlichen Schicksale von Gerhard Hoffmann (Österreich), Rosario Sanchez Mora (Spanien), Herman Scheerboom (Niederlande), Kurt Julius Goldstein (Deutschland), der Brüder Joseph und Vincent Almudever (Frankreich) und von Giovanni Pesce und seiner Frau Onorina Brambilla Pesce (Italien). Als sie sich als Freiwillige gemeldet haben, waren sie in der Mehrzahl noch Jugendliche. Doch keiner von ihnen hatte damit gerechnet, erst nach einer oft 10-jährigen Odyssee über die Schlachtfelder Europas und durch Konzentrations- oder Vernichtungslager nach Hause zurückzukehren.

Die ZeitzeugInnen erzählen ohne Pathos, aber eindrucksvoll und bewegend, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Sie berichten aus der Perspektive von Menschen, die in den Strudel epochaler Ereignisse, für deren Anlässe und Bedingungen sie nicht verantwortlich waren, hineingezogen wurden.

Nach dem Kinostart im Juli geht »NO PASARAN« (Roadside Dokumentarfilm) nach der Sommerpause zusammen mit dem Filmteam auf Tournée durch Deutschland und Österreich. Wir sind froh, im Jahre 75 nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, diesen beeindruckenden und Mut machenden Film in Baden-Württemberg zeigen zu können.

Eintritt: 8,– EUR

Eine Veranstaltung mit:
Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg
Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939 e. V. (KFSR).

»Antifa heißt Luftangriff!« Regression einer revolutionären Bewegung

1. März 2015

Buchvorstellung / Diskussion
Mit Susann Witt-Stahl

Montag, 09.03.2015, 20:00 Uhr

Club Voltaire
Haaggasse 26b
72070 Tübingen

Mit einem Input von Matthias Rude zum Thema
»›Antifaschistische‹ Legitimierung von Krieg«

Antifaschismus heute ist zunehmend systemfromm und affirmativ – oftmals pure Ideologie. Mit marxistischer Analyse des Faschismus als terroristische Form bürgerlicher Herrschaft hat er immer weniger zu tun, meinen die Herausgeber des Bandes. Sie legen eine Sammlung von Streitschriften vor, die deutlich machen, was Antifaschismus nicht sein darf. Die zentrale These von Susann Witt-Stahl und Michael Sommer lautet: Antifaschismus droht zur Ode an die freie Marktwirtschaft zu verkommen. Er entwickelt sich zum Teil des Problems, nicht mehr der Lösung. Das ist eine ideologische Meisterleistung des Neoliberalismus.

Susann Witt-Stahl ist freie Journalistin und Autorin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Ideologiekritik neoliberaler Politik, der modernen Kriege, der Kulturindustrie, gesellschaftlicher Naturverhältnisse sowie reaktionärer Tendenzen in der Linken. Darüber hinaus berichtet sie für Tageszeitungen und Magazine u. a. über internationale Krisen, beispielsweise aus dem Nahen Osten und der Ukraine.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit

★ der SDAJ Gruppe Tübingen
★ dem Offenen Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und Region
★ und dem Club Voltaire Tübingen

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