Gefangenennummer 8955-Die Befreiung von Curt Letsche

20. Januar 2026

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Lothar Letsche berichtet über den Widerstand und die politische Verfolgung seines Vaters Curt Letsche (1912 in Zürich geboren, 2010 in Jena verstorben). Dies sei keine leichte Aufgabe, wie Lothar gleich zu Beginn betonte. Denn in seiner Kindheit und Jugend habe er kaum Kontakt mit seinem Vater gehabt und in den letzten vierzehn Jahren vor seinem Tod herrschte komplett Funkstille. Sein Vortrag beschäftigte sich zuerst mit dem Widerstand Curt Letsches und den familiären Hintergründen. Insbesondere wurde auch die mutige Rolle von Lothars Mutter Lotte Letsche (1911-1996) hervorgehoben. Am 29. September 1939 verhaftet, wurde Curt Letsche ein knappes Jahr später wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Verurteilung begann die Strafverbüßung im Zuchthaus Ludwigsburg wo er für die Firma Bosch, in der Bibliothek, und (möglicherweise) zeitweise in einem Außenkommando zur Arbeit gezwungen wurde. Im zweiten Teil seines Vortrags beschäftigte sich Lothar mit der Frage, wie sein Vater die Befreiung 1945 erlebt und geschildert hat. Für eine Dokumentation der VVN-BdA Ludwigsburg schrieb Curt Letsche 1990 einen dokumentarischen Text, mit Angabe seiner Gefangennummer im dortigen Zuchthaus: 8955. Lothar zitierte ausführlich aus diesem Bericht und ließ auf diese Weise seinen Vater selbst zu Wort kommen (vollständiger Text: hier). Außerdem wurde aus dem letzten Kapitel von Curt Letsches Roman „Schnittpunkte 1945“ vorgelesen, der (1987 abgeschlossen) erst 2013 vollständig erschien. Die romanhafte Schilderung der Vorgänge im Zuchthaus Kaisheim bei Donauwörth im April/Mai 1945 ist auch von den eigenen Erfahrungen des Autors geprägt.